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Beschreibung der sexuellen Störungen

Trockener Orgasmus (fehlender Samenerguss)

Grundsätzliches über den Samenerguss (Ejakulation)

Der Samenerguss verläuft generell in 2 Phasen.
In der ersten Phase des Samenergusses (Emissionsphase) kommt es meist zusammen mit dem Orgasmus zur Bereitstellung des Ejakulates (bestehend aus Samenflüssigkeit und Spermien) in der hinteren Harnröhre, zwischen den verschlossenen inneren und äußeren Harnblasenschließmuskeln.

In der zweiten Phase (Ejakulationsphase) kommt es – nach dem Fühlen des “point of no return” – unter rhythmischem Zucken der Beckenbodenmuskulatur zum Ausstoß des Ejakulates. In dieser Phase bleibt der innere Blasenschließmuskel verschlossen, um ein Rückfließen des Ejakulates in die Harnblase zu verhindern. Der äußere Blasenhalschließmuskel öffnet sich und das Ejakulat wird durch die Harnröhre im Penis nach außen transportiert.

Für das Bereitstellen des Ejakulates und das Verschließen des inneren Harnblasenschließmuskels sind dieselben Nerven (Sympathikusnerven) zuständig.

Der trockene Samenerguss

Ein trockener Samenerguss kann dadurch zustande kommen, dass entweder in der Emissionsphase oder in der Ejakulationsphase Störungen eintreten.

  1. Störungen in der Emissionsphase: Fehlende Bereitstellung des Ejakulates.
  2. Störungen in der Ejakulationsphase: Zurückfließen des Ejakulates in die Harnblase (retrograde Ejakulation).

Es lässt sich relativ leicht feststellen, ob es sich um eine Störung in der 1. oder 2. Phase handelt. Man läßt den Mann masturbieren und untersucht dann nach dem darauffolgenden Harnlassen den Harn auf vorhandene Spermien. Finden sich keine Spermien im Harn, so wurden offenbar keine bereitgestellt (= Störung in Phase 1).

Sind Spermien im Harn, dann wurden die Spermien anstatt nach außen, durch die Harnröhre und den offen gebliebenen inneren Harnblasenmuskel zurück in die Harnblase transportiert (Störung in Phase 2).

Ursachen für den trockenen Samenerguß

In Frage kommen Einflüsse, die entweder die Nervenversorgung stören und damit entweder den Transport des Ejakulates oder den Verschluß des Harnblasenschließmuskels hemmen. Solche Einflüsse können sein:

  1. Operationen:
    • an der Prostata und am Blasenhals (durch die Harnröhre)
    • an den großen Blutgefäßesn des Bauches
    • am Enddarm (Rektumresektion/-amputation) – Entfernung bestimmter Lymphknoten nach Hodentumoroperation
  2. Medikamenteneinnahme: z.B. bestimmte Medikamente gegen Bluthochdruck oder gutartige Prostatavergrößerung (Alpha-Blocker).
  3. Veränderungen des Nervensystems (entzündliche, tumoröse, gefäßbedingte): z.B. durch Diabetes mellitus, Multiple Sklerose, Querschnittslähmungen
  4. Unfälle: Becken-, Dammverletzungen, Harnröhrenriss, Blasenhalsabriss, Verletzungen der Wirbelsäule
  5. Erkrankungen im Bauchraum und Becken: z.B. Tumore der für die Harnblase zuständigen Nerven
  6. Angeborene Erkrankungen mit Fehlen oder Verschluß der ejakulatproduzierenden oder -fördernden Strukturen.

Therapie

Dient der Gewinnung von Spermien bei bestehendem Kinderwunsch. Folgende Therapieansätze werden verfolgt:

  1. Medikamentöse Therapie
  2. Aufreinigung von Spermien aus dem Urin (nach vorhergehender Masturbation)
  3. Elektrostimulation mit einer Sonde, die über den Darmausgang eingeführt wird
  4. Vibratortherapie: Mit Hilfe einers Handvibrators wird die Eichel bis zur Ejakulation stimuliert. Bei Querschnittslähmungen sollte diese Methode nur angewandt werden, wenn die Verletzung unterhalb Th 5 liegt (kann bei höher gelegenen Verletzungen Bluthochdruckkrisen auslösen). Diese Methode ist nicht anwendbar, wenn die Sympathikusnerven zerstört sind.